Weihnachtsgeschichte

Woher kommt eigentlich die Weihnachtsgeschichte? Wer hat sie geschrieben? Wie alt ist sie? Und ist die Erzählung wahr?
Hier erfahren Sie einige wissenswerte Dinge um die altbekannte Geschichte vom Jesuskind in der Krippe.

Inhaltsverzeichnis

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  1. Welches Buch erzählt die Weihnachtsgeschichte?
  2. Seit wann gibt es die Weihnachtsgeschichte?
  3. Wer hat die Weihnachtsgeschichte geschrieben?
  4. Wovon handelt die Weihnachtsgeschichte?
  5. Eine Geschichte? Nein: Zwei!
    1. 5.1 Weihnachtsgeschichte nach Lukas
      1. 5.1.1 Lesung der Weihnachtsgeschichte
    2. 5.2 Weihnachtsgeschichte nach Matthäus
      1. 5.2.1 Lesung der Weihnachtsgeschichte
  6. Was unterscheidet die beiden Weihnachtsgeschichten inhaltlich?
  7. Warum gibt es zwei Weihnachtsgeschichten in der Bibel?
  8. Ist die Weihnachtsgeschichte wahr?
  9. Historische Einordnung: Was wissen wir wirklich?
  10. Wie die Weihnachtsgeschichte zur Tradition wurde
  11. Praktische Tipps zum Vorlesen am Heiligen Abend
  12. Vergleichstabelle: Lukas und Matthäus im Überblick
  13. Fazit: Der Reichtum zweier Perspektiven

1. Welches Buch erzählt die Weihnachtsgeschichte?

Die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie aus der Kirche kennen, steht in der Bibel, im Neuen Testament.

2. Seit wann gibt es die Weihnachtsgeschichte?

Die Weihnachtsgeschichte wurde etwa in den Jahren 80 bis 90 nach Christus niedergeschrieben. Sie existiert also bald 2.000 Jahre.

3. Wer hat die Weihnachtsgeschichte geschrieben?

Die Weihnachtsgeschichte wurde in zwei Versionen verfasst. Eine schrieb der Evangelist Lukas, der als Verfasser des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte im Neuen Testament gilt und die andere der Evangelist Matthäus.

4. Wovon handelt die Weihnachtsgeschichte?

Ein römischer Kaiser lässt eine Volkszählung durchführen. Deshalb müssen alle Menschen des Reiches an ihren Geburtsort wandern, um sich eintragen zu lassen. Auch Joseph und seine schwangere Frau Maria müssen reisen, von Nazareth nach Bethlehem. Doch dort gibt es nirgendwo mehr eine Unterkunft. Ein Wirt stellt ihnen seinen Stall zur Verfügung, und hier bekommt Maria ihr Baby. Sie wickelt es in Windeln und legt es in die Futterkrippe. Ochse und Esel stehen daneben. Nachts auf dem Feld hüten Hirten ihre Schafe. Ihnen erscheint ein Engelschor, der ihnen die Geburt des Sohns Gottes verkündet. Die Hirten laufen nach Bethlehem und finden Maria und Joseph und das Jesuskind. Auch drei weise Männer aus dem Orient erfahren über die Sterne von der Geburt des göttlichen Kindes und machen sich auf den Weg, um ihm kostbare Geschenke zu bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

So kennt jedermann die weihnachtliche Geschichte, die Jahr für Jahr am Heiligen Abend in den Kirchen und zu Hause unter dem Weihnachtsbaum erzählt wird.

5. Eine Geschichte? Nein: Zwei!

Bekannt ist, dass in der Weihnachtsgeschichte zahlreiche biblische Gestalten und Zeichen auftauchen. Weniger bekannt ist, dass die Hirten, Ochse und Esel und sogar der Stall und die Futterkrippe nur die Bestandteile einer Version der Geschichte sind, die in den Jahren 80 bis 90 nach Christus der Evangelist Lukas aufschrieb. Die Weisen aus dem Morgenland mit ihren berühmten drei Gaben jedoch sind bei Lukas nicht überliefert. Sie finden sich in einer zweiten Version der Weihnachtsgeschichte: Etwa um die gleiche Zeit schrieb Matthäus, ein weiterer Evangelist, ebenfalls die Geburt Jesu nieder, allerdings völlig anders: Matthäus beginnt seine Erzählung damit, dass Joseph und Maria verlobt seien und Joseph sie aber verlassen wolle, weil sie (nicht von ihm) schwanger war. Doch ein Engel erscheint ihm im Traum und erklärt Joseph, dass Maria das Kind Gottes erwarte: Der Heilige Geist sei über sie gekommen, wie es prophezeit worden war. So bleibt Joseph bei Maria, und Jesus kommt in Bethlehem zur Welt. Weder die Volkszählung noch der Stall oder die Hirten werden bei Matthäus erwähnt. Doch die drei Sterndeuter aus dem Morgenland spielen bei ihm eine Rolle, eine sehr tragische: Sie gehen zuerst zu König Herodes und fragen nach dem königlichen Kind. Für Herodes ist die Nachricht der Geburt eines jüdischen Königs eine Gefahr für seine Herrschaft. Er beauftragt die drei Weisen, das Kind zu suchen und anschließend zu ihm zurückzukehren und zu berichten, wo es sei. Die Weisen finden Jesus, werden aber im Traum gewarnt und kehren nicht zu Herodes zurück. Auch Joseph erscheint wieder ein Engel im Traum, der ihn auffordert, mit Frau und Kind sofort nach Ägypten zu fliehen. Und das keine Minute zu früh: Als die Sterndeuter nicht zu Herodes zurückkehren, lässt der König alle männlichen Babys und Kinder unter zwei Jahren in Bethlehem und der gesamten Umgebung ermorden. Erst als Herodes stirbt, kehren Maria, Joseph und der kleine Jesus nach Hause zurück.

5.1 Weihnachtsgeschichte nach Lukas

Es begab sich aber zur der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Autor: Lukas 2,1 - 20

Tipp: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas für Kinder erzählt.

Der historische Rahmen bei Lukas

Lukas bettet die Geburtsgeschichte in einen detaillierten historischen Kontext ein. Er nennt konkrete historische Persönlichkeiten und Ereignisse:

  • Kaiser Augustus als römischen Herrscher
  • Die erste Volkszählung unter Quirinius, dem Statthalter von Syrien
  • Die Reise von Nazareth nach Bethlehem aufgrund dieser Volkszählung

Diese historische Einbettung ist allerdings nicht unproblematisch. Historiker haben nachgewiesen, dass die von Lukas erwähnte Volkszählung unter Quirinius erst im Jahr 6 nach Christus stattfand, während Herodes der Große, der bei Matthäus eine zentrale Rolle spielt, bereits 4 vor Christus verstarb. Diese zeitliche Diskrepanz zeigt, dass die Evangelisten weniger an chronologischer Genauigkeit interessiert waren als an der theologischen Botschaft.

Die zentralen Elemente bei Lukas

Lukas konzentriert sich auf folgende Aspekte:

  • Die einfache Herberge: Maria legt das Neugeborene in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz war
  • Die Hirten auf dem Feld: Sozial niedriggestellte Menschen werden als erste Zeugen gewählt
  • Die himmlische Heerschar: Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft
  • Der berühmte Engelgesang: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden"
  • Die Verbreitung der Nachricht: Die Hirten werden zu den ersten Verkündern

5.1.1 Lesung: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas

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5.2 Weihnachtsgeschichte nach Matthäus

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: "Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll." Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Die Flucht nach Ägypten
Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."

Der Kindermord des Herodes
Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: "In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen."

Die Rückkehr aus Ägypten
Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galiläische Land und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.

Autor: Matthäus 2,1 - 2,23

Tipp: Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus für Kinder erzählt.

Eine völlig andere Perspektive

Matthäus erzählt die Geschichte aus einer grundlegend anderen Perspektive. Bei ihm gibt es keine Volkszählung, keine Reise nach Bethlehem, keine Hirten. Stattdessen stehen im Mittelpunkt:

  • Die Weisen aus dem Morgenland: Gelehrte Sterndeuter, vermutlich aus Persien oder Babylonien
  • Der Stern von Bethlehem: Ein astronomisches Phänomen, das die Geburt ankündigt
  • König Herodes: Der bedrohliche Machthaber, der das Kind töten will
  • Die königlichen Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe
  • Die Flucht nach Ägypten: Die heilige Familie muss fliehen, um dem Kindermord zu entkommen

Die Symbolik der drei Gaben

Die Geschenke der Weisen sind hochsymbolisch und weisen auf den gesamten Lebensweg Jesu hin:

  • Gold: Symbol für Königtum und weltliche Macht - Jesus als König der Juden
  • Weihrauch: Verwendet im Tempelkult - Jesus als Hohepriester und Mittler zwischen Gott und Menschen
  • Myrrhe: Zur Einbalsamierung der Toten verwendet - weist voraus auf Tod und Auferstehung

Interessanterweise erwähnt Matthäus nicht die Anzahl der Weisen. Die Tradition der "Heiligen Drei Könige" entwickelte sich erst später und basiert auf der Anzahl der Geschenke. Auch ihre Namen - Caspar, Melchior und Balthasar - tauchen erst im 6. Jahrhundert in apokryphen Texten auf.

5.2.1 Lesung: Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus

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6. Was unterscheidet die beiden Weihnachtsgeschichten inhaltlich?

Im Kern und in einigen Fakten gleichen sich die Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus: Ein göttliches Kind wird in Bethlehem geboren. Zu diesem Zeitpunkt ist Herodes König. Die Geburt wird von Zeichen am Himmel und den Engeln, Gottes Boten, begleitet, und so bekannt gemacht. Darüber hinaus findet die Geburt zunächst still und in aller Heimlichkeit statt, die Bekanntmachung erfolgt nur an ausgewählte Personen.

Und hier beginnen die Unterschiede: Bei Lukas sind es Hirten, die zuerst von dem göttlichen Kind erfahren. Hirten sind um diese Zeit Menschen, die zu den Ärmsten der Armen gehören, die nicht als vertrauenswürdig gelten und mit denen niemand etwas zu tun haben will. Dagegen sind es bei Matthäus reiche und kluge Sterndeuter, die das Jesuskind zuerst besuchen und ihm kostbare Geschenke mitbringen: Gold, das "Königsmetall", wurde in der Antike zur Huldigung eines Herrschers übergeben. Der Duft verbrannten Weihrauchs symbolisierte sowohl die Anwesenheit Gottes als auch seine sinnliche Erfahrbarkeit für die Menschen. Myrrhe galt ebenfalls als besonders kostbar, der Saft hatte heilende Wirkung und wurde als Bestandteil von Öl zur Einbalsamierung der Verstorbenen genutzt.

Ebenso unterschiedlich sind die Perspektiven des Geschehens, besonders der Vorgeschichte zu Jesus Geburt: Matthäus berichtet uns, wie es Joseph erging. Lukas dagegen widmet sich Maria, die vor der Geburt ebenfalls im Traum von einem Engel besucht wird und erfährt, dass ihr Kind der Sohn Gottes sein wird.

7. Warum gibt es zwei Weihnachtsgeschichten in der Bibel?

Bei Matthäus und Lukas wird davon ausgegangen, dass sie zwar mit Zeitzeugen des erwachsenen Jesus bekannt waren, aber für ihre Darstellung der Lebensgeschichte Jesu auf mehrere ältere Schriftstücke zurückgriffen. Zum Teil waren das die gleichen, zum Teil aber auch unterschiedliche Zeugnisse, mit denen sie arbeiteten. An ihren voneinander abweichenden Geschichten wird deutlich, dass Geschichtsschreibung vor 2000 Jahren anders funktionierte als heute: Jeder wählt die ihm am wichtigsten erscheinenden Informationen aus und lässt anderes dafür weg. Heute dagegen bemüht man sich stets um Vollständigkeit, um ein möglichst umfassendes Bild der Ereignisse erstellen zu können.

Geografische und chronologische Widersprüche

Einige Unterschiede lassen sich nicht harmonisieren:

  • Bei Lukas wohnt die Familie ursprünglich in Nazareth und reist nur zur Volkszählung nach Bethlehem
  • Bei Matthäus scheint die Familie bereits in Bethlehem zu wohnen und zieht erst nach der Rückkehr aus Ägypten nach Nazareth
  • Lukas berichtet von einem Besuch im Tempel 40 Tage nach der Geburt, was mit der Flucht nach Ägypten bei Matthäus schwer vereinbar ist
  • Der Zeitpunkt des Besuchs der Weisen bleibt bei Matthäus unklar - es könnte bis zu zwei Jahre nach der Geburt gewesen sein

8. Ist die Weihnachtsgeschichte wahr?

Die historischen Fakten um die Weihnachtsgeschichte sind umstritten. Kaiser Augustus und König Herodes lebten tatsächlich um das Jahr Null, aber eine Steuerzählung des ganzen Römischen Reiches, wie Lukas sie beschreibt, ist für diesen Zeitraum nicht nachweisbar. Dass Jesus um das Jahr 6 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde, darin sind sich viele Forscher einig, allerdings auch, dass die Geburt in Nazareth stattfand und nicht in Bethlehem. Den Stern soll es wirklich gegeben haben: Astronomen haben errechnet, dass um das Jahr Null Jupiter und Saturn besonders hell strahlend durch das Sternenbild der Fische über den Himmel zogen. Die Hirten werden nur bei Lukas erwähnt, was historisch nicht als ausreichend empfunden wird, um ihre Existenz als "wahr" zu bezeichnen.

Was an der Weihnachtsgeschichte wahr oder erfunden ist, lässt sich vielleicht nicht mehr bis ins Detail klären. Doch dass Jesus gelebt hat und seine Geburt und sein Leben voller Geheimnisse und Unbegreiflichem war, kann wohl als gesichert gelten.

9. Historische Einordnung: Was wissen wir wirklich?

Der Stern von Bethlehem

Astronomen haben verschiedene Theorien zum "Stern von Bethlehem" entwickelt:

  • Konjunktion von Jupiter und Saturn: Im Jahr 7 v. Chr. kam es zu einer seltenen dreifachen Begegnung dieser Planeten im Sternbild Fische, was als besonders bedeutsam galt
  • Eine Supernova: Chinesische Aufzeichnungen berichten von einem "Gaststern" um 5 v. Chr.
  • Ein Komet: Der Halleysche Komet erschien 12 v. Chr., allerdings zu früh für die vermutete Geburt Jesu
  • Symbolische Deutung: Möglicherweise war der Stern rein theologisches Symbol ohne historisches Ereignis

Die Volkszählung und der Geburtsort

Die historische Forschung stellt auch die Geburtsort-Tradition in Frage. Bethlehem könnte aus theologischen Gründen gewählt worden sein, weil dort bereits König David geboren wurde und der Messias laut Prophezeiung aus dem "Haus David" stammen sollte. Jesus wurde jedoch stets als "Nazarener" bezeichnet, was auf Nazareth als tatsächlichen Heimatort hindeutet.

10. Wie die Weihnachtsgeschichte zur Tradition wurde

Die Verschmelzung beider Erzählungen

In der kirchlichen Tradition wurden beide Geschichten bereits früh zu einer Gesamterzählung verschmolzen. Krippenspiele und Weihnachtsgottesdienste kombinierten die Hirten von Lukas mit den Weisen von Matthäus, obwohl diese laut biblischem Text vermutlich nie gleichzeitig anwesend waren.

Diese Verschmelzung führte zu dem uns vertrauten Bild: Eine Krippe mit Maria, Josef und dem Kind, umgeben von Hirten und den Heiligen Drei Königen, dazu Ochs und Esel (die übrigens in keinem der Evangelien erwähnt werden, sondern aus einer allegorischen Deutung des Propheten Jesaja stammen).

Die Entwicklung des Weihnachtsfestes

Interessanterweise wurde Weihnachten in den ersten Jahrhunderten gar nicht gefeiert. Die frühe Kirche konzentrierte sich auf Ostern als das zentrale Fest. Erst im 4. Jahrhundert setzte sich der 25. Dezember als Geburtsdatum durch - vermutlich um das römische Fest des "Sol Invictus" (der unbesiegten Sonne) zu christianisieren.

11. Praktische Tipps zum Vorlesen am Heiligen Abend

Beide Texte getrennt vortragen

Wenn Sie beide biblischen Texte vorlesen möchten, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • Zuerst Lukas 2, 1-20: Diese Erzählung ist emotionaler und bildhafter, ideal für den Einstieg
  • Dann Matthäus 2, 1-12: Diese Geschichte fügt die Dimension der weltweiten Bedeutung hinzu
  • Kurze Erläuterung: Erklären Sie kurz, dass es sich um zwei verschiedene Perspektiven auf dasselbe Ereignis handelt

Lesedauer und Vorbereitung

Die Lukas-Perikope dauert etwa 3-4 Minuten, der Matthäus-Text etwa 2-3 Minuten. Üben Sie die Texte vorher, um eine angemessene Lesegeschwindigkeit und Betonung zu finden. Besonders die Engelsbotschaft bei Lukas verdient eine besondere Hervorhebung.

12. Vergleichstabelle: Lukas und Matthäus im Überblick

Aspekt Lukasevangelium Matthäusevangelium
Ausgangspunkt Nazareth Bethlehem (vermutlich Wohnort)
Grund für Bethlehem Volkszählung Nicht angegeben
Geburtsort Krippe in einer Herberge Ein "Haus"
Erste Besucher Hirten vom Feld Weise aus dem Morgenland
Besonderes Zeichen Engelerscheinung und himmlische Heerschar Stern von Bethlehem
Geschenke Keine erwähnt Gold, Weihrauch, Myrrhe
Bedrohung Keine erwähnt König Herodes, Kindermord
Flucht Keine erwähnt Flucht nach Ägypten
Rückkehr Nach Nazareth nach 40 Tagen Nach Nazareth aus Ägypten
Theologischer Fokus Jesus für die Armen und Ausgestoßenen Jesus als erfüllte Prophezeiung, König der Juden
Zielgruppe Heidenchristen Judenchristen

13. Fazit: Der Reichtum zweier Perspektiven

Die beiden unterschiedlichen Weihnachtsgeschichten sind kein Widerspruch, sondern eine Bereicherung. Sie zeigen uns Jesus aus zwei Blickwinkeln: als König der Könige, dem selbst weise Gelehrte aus fernen Ländern huldigen, und als Gott, der sich den Niedrigsten zuwendet und in ärmlichsten Verhältnissen zur Welt kommt.

Historische Unstimmigkeiten müssen uns nicht beunruhigen. Die Evangelisten waren keine modernen Historiker, sondern Verkünder einer Glaubensbotschaft. Sie formten ihre Erzählungen so, dass sie ihre theologische Aussage am besten transportierten. Die Wahrheit der Weihnachtsgeschichte liegt nicht in der chronologischen Genauigkeit, sondern in ihrer Botschaft: Gott wird Mensch und kommt zu allen Menschen - zu den Armen wie zu den Weisen, zu Juden wie zu Heiden.

Welche Version Sie am Heiligen Abend vorlesen, bleibt Ihrer persönlichen Vorliebe überlassen. Vielleicht nehmen Sie sich aber die Zeit für beide - denn erst zusammen ergeben sie das vollständige Bild dessen, was Weihnachten bedeutet.

Tipp:

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